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Vernichtende Kant-Kritik: Putin sei ein mit Goldfolie umwickelter Erdklumpen

Putin möchte wieder zurück an den Tisch der G 7, doch nach Immanuel Kant sollte er lieber in die Bildung seiner Landsleute investieren

von Valerie Lux Schult

 

Putin und G7
Putin und die G7. Quelle: fortruss.blogspot.com

Heute war zu hören, dass die G7-Staaten überlegen, den den Präsidenten Wladimir Putin wieder in ihren trauten Kreis aufzunehmen.Leider gibt es da immer noch ein Problem: Die geopolitische Militärstrategie von Putin, die aus dem 19. Jahrhundert stammt. In diesem Jahrhundert war unter den Nationen Europas nur die schrankenlose Eroberung von Territorium bekannt. Heute ist Putin der einzig übrig gebliebene Staatslenker, der noch an diese Knüppel-Strategie zur Vergrößerung seines Staatsgebietes glaubt. Leider hat er sich damit bei seinen europäischen Kollegen ziemlich unbeliebt gemacht. Jetzt schickte Außenminister Steinmeier dennoch ein versöhnliches Lächeln in Richtung Osten. Er orakelte, dass, wenn Putin in Gesprächen zum Ukraine-Konflikt endlich „Hürden erfolgreich aus dem Weg räume“, man dann im Westen kein „dauerhaftes   Interesse, Russland aus den großen westlichen Nationen auszuschließen“ mehr hätte.

Interessen, würde Kant schnauben. Dass man im Westen nur von Interessen geleiteten Handlungen spricht, kann sowieso niemals vernünftig sein. Dass man seine Handlungen an Interessen orientiert kann nur schlecht sein, denn die Interessen stammen ja alle aus einer ständig wechselnden Erfahrung. Staaten sollten sich in ihrem internationalen Umgang nach dem Ideal der praktischen Vernunft richten. Allerdings ist auch Vernunft noch nicht alles, denn für einen wahrhaft galanten Umgang der Staaten untereinander, ist noch eine Institution namens „Moral“ vonnöten. Was Kant nämlich so richtig geärgert hätte, wäre die mangelnde moralische Einsicht von Putin, der über das verdeckte Kriegführen in der Ukraine die Bildungsaufgabe des Staates vergisst. Wir sind durch Kunst und Wissenschaft so überzivilisiert, stöhnte Kant. Aber wir vergessen immer, dass jede zivilisierte Kultur auch eine richtige Moral braucht. Denn so lange „Staaten alle ihre Kräfte auf ihre eitlen und gewaltsamen Erweiterungsabsichten verwenden“, hemmen sie die „langsame Bemühung der inneren Bildung“ für ihre Bürger. Wenn Putin also heimlich versucht, den Osten der Ukraine gewaltsam zu annektieren, bleibt nicht viel Geld in der Staatskasse für die geistige Bildung seiner Bürger übrig.

Leider kann ihm diese Moral aber auch niemand antrainieren. Denn solange Putin nicht aus sich selbst heraus moralisch gut handeln möchte, sind alle Bemühungen der G7 vergebens. Putin anzuhalten, sich moralisch gut zu verhalten, ist wie, als würde man einen Erdklumpen animieren, Goldfolie um sich zu wickeln. „Alles Gute aber, das nicht auf moralisch-gute Gesinnung gepfropft ist, ist nichts als lauter Schein und schimmerndes Elend“, so fasst Kant das zusammen.

Und natürlich sind die G7 auch eher Erdklumpen als strahlende Vorbilder aus Gold. Wer anderen Nationen militärische Interventionen untersagen möchte, sollte nämlich erstmal vor seiner eigenen Haustür kehren. Mit den USA, Großbritannien und Italien haben drei von den G 7 einen Krieg gegen den Irak begonnen. Auch für das diplomatische Verhältnis der G 7 mit Russland hat Kant den Tipp des Kategorischen Imperativs parat. Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Die Menschheit wird wohl auf die Einsicht in die Vernunft von Putin und die G7-Vasallen warten müssen. Und in diesem Zustand der Unvernunft von beiden Seiten „wird wohl das menschliche Geschlecht verbleiben, bis es sich auf die Art, wie ich gesagt habe, aus dem chaotischen Zustande seiner Staatsverhältnisse herausgearbeitet haben wird.“

Immanuel Kant (1784): Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht.

Immanuel Kant (1785): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.