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Wie wird die EU ein Bundestaat? Durch Partys.

Ein Rat von Aristoteles: Wie Europa in der Krise zusammenwächst.

Von Valerie Lux Schult.

Es gibt immer wieder Stimmen, die fordern, dass die EU zu einem großen Bundesstaat zusammenwachsen soll. Alle würden wir dann europaweit die gleiche Maut auf Autobahnen zahlen, und aus einem riesigen Sozialfonds würde gleiche Arbeitslosenhilfe für jede arbeitslose Europäerin gezahlt. Alle Europäerinnen müssten ihre Steuererklärung an ein großes graues europäisches Steueramt schicken. Von diesem Zustand sind wir jedoch heute noch weit entfernt.

Wegen der unerwartet vielen Menschen, die – huch! –nach Europa kommen wollen, haben sich die Mitgliedsstaaten bitter verkracht.  Kleinere europäische Staaten werfen größeren Staaten wie Deutschland vor, dass ihre tolerante Flüchtlingspolitik ganz Europa überfordere. Mittlerweile stehen alle Ampellichter in Richtung europäischer Integration auf Rot.

Welche Maßnahmen ließen sich überlegen, damit die Länder wieder in einen konstruktiven Dialog miteinander treten und sich eine nationenübergreifende Solidarität etabliert?

Es ist ganz einfach.

Ein richtiger Bundesstaat basiert auf Freundschaften.

Ein loser Staatenverbund basiert hingegen nur auf wirtschaftlichen Verträgen.

In der EU gibt es jedoch  niemanden, der sich um das gute Leben seiner Nachbarn sorgt.Wenn jedoch ein Bundesstaat entstehen sollte, müsste man sich um das gute Leben seiner Bürger kümmern.

Nach Aristoteles zeigt sich die Existenzberechtigung eines Staates darin, ein gutes Leben seiner StaatsbürgerInnen zu ermöglichen. Ein gutes Leben definiert sich in der Möglichkeit, Freundschaften zu pflegen und sich mit liebenden Menschen zu umgeben, so Aristoteles. Es existiert da, wo Menschen Ehen schließen oder sich verschwägern. Das gute Leben existiert da, wo neue Verwandtschaften und Freundschaften geschlossen werden, dort wo Feste gefeiert werden. Durch dieses gemeinsame Zusammenleben entsteht ein Staat.

Welchen Rat kann man also den EU-Politikern von heute geben? Veranstaltet mit allen einheimischen Bürgern Europas und den Flüchtlingen ein Fest. Schafft Möglichkeiten des Zusammenkommens, damit die Menschen ihre Angst voreinander abbauen und Freunde werden. Damit die Menschen ihre Liebe zueinander entdecken und binationale Kinder zeugen. Auf diese Weise wird ganz Europa verwandt und ein Bundesstaat wird daraus erwachsen, der größer und stabiler ist, als es die EU je war. Ein Staat aus Freundschaft.

Party zoon europicus!

Aristoteles (ca. 340 v. Chr.): Politik. 1280 b 35, 1280 b 1 35. Übersetzt von F. Schwarz (Reclam).